In 5 Wochen steht nach 500 Unterrichtseinheiten meine Yogalehrerprüfung an. Das letzte Ausbildungswochenende haben wir alle schon fast wehmütig letztes Wochenende gehabt und jetzt geht es in den Lern-Endspurt, denn um meinen Lehrer zu zitieren: “Das ist keine Ponyhofausbildung”.

Am 1. Augustwochenende erwartet uns ersteinmal eine 4 std. Klausur mit ca 50 Prüfungsfragen (kein Multiple choice). Die Fragen kommen aus allen Yogabereichen: Asanas, Anatomie, Geschichte, Philosophie,… Also ich muss u.a. wissen, was es mit einem Hüftgelenk auf sich hat und warum Krishnamacharya so wichtig für den modernen Hatha Yoga war. Natürlich auch, was Patanjali von sich gegeben hat, was die Koshas sind, die spirituelle Anatomie des Hatha Yoga, Asananamen auf Sanskrit und was z.B. Twists bewirken und welche Zielgruppe Twists eher vermeiden sollte. Dies ist nur eine kleine Auswahl.

Die nächsten Juliwochenenenden einschliesslich diesem habe ich mir daher zum Lernen vorgenommen, da ich unter der Woche neben meinem normalen Job & 2 Yogakursen, die ich derzeit unterrichte, zeit- und konzentrationsmässig nicht dazu komme.

Ich bin sehr sehr dankbar, dass ich schon so früh die Chance bekomme habe, einen regelmässigen Yogakurs zu geben und in Medebach unterrichte ich jetzt einen 2. Anfängerkurs, nach einem Schnupperkurs mit 5 festen Terminen. Der aktuelle Yogasommerkurs hat 7 Teilnehmer zwischen 8 & 60+ und ist auch wieder eine neue Erfahrung, die viel Freude macht. Zwischenzeitlich habe ich auch noch einen Workshop mit dem Thema Yoga & Laufen gegeben, ein paar Yogastunden im Haus der Ge(h)zeiten und im Yoga Balance vertreten. Also ich bin wirklich froh über diese vielfältige Unterrichtserfahrung, schon vor Abschluss meiner Ausbildung, was mir besonders für den 45 min. Praxisteil der Prüfung hilft. Das Thema für die praktische Prüfung mit freier Themenwahl haben wir letztes Wochenende schon mit unserem Lehrer besprochen und ich habe mein schriftliches Konzept schon abgegeben. Es wird eine Mittelstufen-Flow-Stunde mit Parivritta Janu Sirshasana als “Peak Pose”. Wichtig für die Vorbereitung dieser Asana sind Hüftöffnungen, Vorbeugen, Twists und Flankendehnung.

Ein weiteres wichtiges Thema, welches sich durch meine Ausbildungszeit zieht, sind die Begriffe abhyasa und vairagya aus den Yogasutras des Patanjali, Kapitel 1.12:

abhyasa vairagya abhyam tan nirodha

अभ्यासवैराग्याभ्यां तन्निरोधः

“Durch Üben und durch die Fähigkeit Loszulassen kann unser Geist den Zustand von Yoga erreichen” (Über Freiheit und Meditation, T.K.V. Desikachar, 2003, S. 29ff.).

Wichtig ist regelmässiges Üben und die Beharrlichkeit dran zu bleiben, auch wenn man mal keine Lust hat. Eine gewisse Disziplin ist wichtig, aber hier darf man den schmalen Grat zwischen dem was Gut tut und übereifrigem perfektionistischem Streben nicht überschreiten. Zu viel Ehrgeiz kann zu Verspannungen oder Verletzungen führen, wichtig ist, die Waage zu halten zwischen beharrlichem Üben und Gelassenheit. Vairagya bedeutet auch Wunschlosigkeit, daher ist es wichtig keine Erwartungen an sich selber zu stellen, sondern die Asana (oder im übertragenen Sinne was auch immer) immer wieder neu zu erleben, sich aus alten Mustern zu lösen.

Heutzutage kommt dem Loslassen, der Gelassenheit und der Wunschlosigkeit gerade im Alltag kaum Beachtung zu, die vor allem stressbedingten Folgen hören und lesen wir fast täglich in den Medien. Durch (Hatha) Yoga versuchen wir im innen und äusseren Balance zu erreichen. Meine Yogalehrer in der Ausbildung haben uns von Anfang an zu täglicher Praxis aufgefordert und ermutigt:

sa tu dirghakala nairantarya satkara adara asevito dridhabhumih ||14||

स तु दीर्घकाल नैरन्तर्य सत्कारादरासेवितो दृढभूमिः ॥१४॥

“Eine Übungspraxis wird nur dann Erfolge zeigen, wenn wir sie über einen langen Zeitraum ohne Unterbrechungen beibehalten, wenn sie von Vertrauen in den Weg und von einem Interesse, das aus unserem Inneren erwächst, getragen ist.” (Über Freiheit und Meditation, T.K.V. Desikachar, 2003, S. 31.).

In diesem Sinne widme ich mich jetzt dem Lernen und wünsche euch ein schönes Wochenende!

 

 

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